Etwa 30 Prozent der Deutschen kauen nachts die Probleme vom Tag durch und knirschen mit den Zähnen. In unserem Praxisblog erfahren Sie, wie wir den sogenannten Bruxismus behandeln und wieso das längst nicht nur ein Problem der Mundgesundheit ist.

Warum knirschen wir mit den Zähnen?

Zerknirscht fühlen wir uns häufiger. Besonders wenn wir in der Nacht mal wieder die Probleme vom Tag durchgekaut haben. Denn mit dem Knirschen oder Aufeinanderpressen der Zahnreihe verarbeiten wir Situationen, Gefühle und Konflikte, für die im stressigen Alltag keine Zeit mehr war. Es ist eine Art Ventil für angestauten emotionalen Ballast. Zahnmediziner nennen dieses Phänomen “Bruxismus”. Das Wort stammt aus dem Griechischen für “Brygmos” und bedeutet übersetzt “Zähneknirschen”.

Neben den psychischen Gründen kann auch ein Fehlbiss schuld am ständigen Zähneknirschen sein. Eine zu hohe Füllung genügt schon, um die Okklusion (das Zusammentreffen von Ober- und Unterkiefer) zu stören. Durch das Knirschen versucht der Körper, die Füllung abzuschleifen.

Beim Zähneknirschen entstehen extreme Kräfte

Die Deutsche Gesellschaft für Zahngesundheit, Funktion und Ästhetik (GZFA) geht davon aus, dass Betroffene die Zähne in der Nacht 20 Minuten und länger aufeinanderpressen und -reiben. Und zwar mit einer Kraft von bis zu 800 Newton. Zum Vergleich: Normalerweise beißen wir die Zähne mit etwa 30 Newton zusammen.

Wussten Sie?Als Team-Zahnärzte der Basketballer von ratiopharm Ulm wissen wir, dass Sportler unter besonders hohem Leistungsdruck stehen. Daher haben wir uns in einem anderen Beitrag bereits mit Zähneknirschen bei Sportlern beschäftigt: Zähneknirschen als Stressabbau: „Viele Sportler knirschen nachts den Leistungsdruck weg“

Welche Folgen kann Bruxismus haben?

Den extremen Belastungen hält das Gebiss nicht ewig Stand. Zähneknirscher arbeiten langfristig die Zahnsubstanz ab. Die Zähne wirken dabei wie Schmirgelpapier, die Nacht für Nacht etwas mehr von der Oberfläche abtragen.

So wirkt sich Bruxismus auf die Zähne aus…

  • zunächst entstehen Risse im Zahnschmelz, Kronen und Brücken
  • hinzu kommen keilförmige Defekte an den Zähnen
  • das Zahnfleisch weicht zurück
  • die Bisslage verändert sich
  • es entstehen Fehlhaltungen

Spätestens jetzt ist das Zähneknirschen keine unangenehme Angewohnheit mehr, sondern ein Fall für den Zahnarzt. Denn nur durch eine rechtzeitige Behandlung lässt sich eine Kettenreaktion vermeiden, die ansonsten mit der Diagnose CMD enden kann.

CMD – Schmerzen im Kiefergelenk durch Bruxismus

CMD steht für Craniomandibuläre Dysfunktion und beschreibt eine Fehlfunktion zwischen Cranium = Schädel und Mandibula = Unterkiefer. Die CMD entsteht in der Regel durch einen Fehlbiss – also wenn Ober- und Unterkiefer nicht mehr richtig aufeinanderpassen.

Das kommt bei Knirschern häufig vor, weil sie ihre Zähne bereits so stark abgeknirscht haben, dass einige von ihnen früher als üblich mit den gegenüberliegenden Zähnen in Kontakt kommen. Das bezeichnen wir Zahnmediziner als “Frühkontakte”. Dadurch nimmt das Kiefergelenk eine Position ein, die es nicht kennt. Der Körper versucht wiederum, diese Fehlhaltung mit Muskelaktivität auszugleichen und es entstehen Verspannungen.

Mögliche Folgen einer CMD können sein…

  • Schmerzen im Kiefergelenk
  • Verspannungen in Nacken, Schulter und Rücken
  • Probleme beim Öffnen des Mundes
  • Schluckbeschwerden
  • Tinnitus
  • Migräne

Die CMD-Therapie setzt bei einer ganzheitlichen Behandlung an. Da die Symptome so vielfältig sein können, arbeiten wir bei Bedarf mit Fachärzten aus anderen medizinischen Bereichen zusammen. Auch eine Physio- oder Psychotherapie zum Stressabbau sind häufig sinnvoll.

Wie behandeln wir Bruxismus?

Die gute Nachricht: Wir können Ihre Zähne relativ unkompliziert mit einer individuell angefertigten Knirscherschiene vor den nächtlichen Knirschattacken schützen.

Die schlechte Nachricht: Das hilft Ihnen nicht beim ursprünglichen Problem. Zumindest dann nicht, wenn das Knirschen und Aufeinanderpressen der Zähne psychische Ursachen hat. Hier ist es sicher sinnvoll, über Entspannungsmethoden und gezielte Ruhephasen nach dem Arbeitstag nachzudenken.

Zu hohe Füllungen und Kronen passen wir an

Begleitend dazu passen wir zu hohe Füllungen oder nicht exakt platzierte Kronen an und legen einen wichtigen Grundstein für einen harmonisches Miteinander der beiden Zahnreihen. Wenn es zwischen Ober- und Unterkiefer nicht mehr knirscht, entspannt sich auch das Kiefergelenk rasch wieder.

Auch eine Schnarchtherapie ist eine Option, die Sie bei der Behandlung von Bruxismus in Betracht ziehen können. Bei einem gesunden und erholsamen Schlaf entspannten nicht nur Sie, sondern auch Ihre Zähne haben mal Pause. Das hilft ganz sicher gegen das ständige Zerknirscht-Sein am Morgen.